21 Jahre Politik in Wien: Hans Mayr

Zwei Jahrzehnte lang hat der gestern, Mittwoch, 78jährig verstorbene Hans Mayr die Wiener Stadtpolitik wesentlich mitgeprägt.

21 Jahre lang war er Finanzstadtrat, zehn Jahre lang Vizebürgermeister und fünf Jahre Landesparteichef. 1993/1994 verabschiedete er sich – gemeinsam mit seinem Wegpartner Helmut Zilk – aus der Wiener Politik. Bis kurz vor seinem 75. Geburtstag – bis zum April 2002 – war er noch Chef des Aufsichtsrates der Porr AG.

Im Gespann mit Helmut Zilk hatte Mayr nur nach außen den kleineren Part. Während Zilk als Bürgermeister seine Vorstellungen vom Dasein eines Volksbürgermeisters verfolgte, sorgte sein Vize Mayr als Finanzstadtrat für die nötige finanzielle Basis – und führte in der Wiener SPÖ das Regiment. Seine Wirtschaftspolitik ist freilich nicht auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Vor allem seitens der Opposition wurde ihm vorgeworfen, den wirtschaftlichen Einfluss der SPÖ auch über die Zeit der absoluten SPÖ-Mehrheit im Rathaus hinaus gesichert zu haben.

Der am 27. Juni 1928 in Wien-Ottakring geborene Mayr ist, wie er es selbst ausdrückte, „in die Partei hineingeboren“. Seit seiner Jugend gehörte er der sozialistischen Bewegung an, so war er von 1945 bis 1949 in der Sozialistischen Jugend als Schulungsreferent tätig. In der SPÖ-Fünfhaus arbeitete er sich nach oben, wurde 1971 Bezirksobmann – und saß schon seit 1963 im Gemeinderat. Hauptberuflich machte Mayr – der an der HTL mit Fachrichtung Elektrotechnik maturiert hatte – jedoch zunächst in der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten Karriere, wo er es bis zum Direktor brachte.

Nach einem zweijährigen Zwischenspiel im Nationalrat wechselte er 1973 mit der seiner Bestellung zum Finanzstadtrat wieder in die Kommunalpolitik zurück – und ganz in die politische Laufbahn. Bei der PVAng wurde er freigestellt – und in der Wiener SPÖ zum mächtigsten Mann neben Helmut Zilk.

Dieser kehrte 1984 nach seinem einjährigen „Ausflug“ ins Unterrichtsministerium nach Wien zurück, wurde Bürgermeister – und machte Mayr zu seinem Vizebürgermeister. Ein Jahr später wurde Mayr stellvertretender Wiener Parteichef, 1988 löste er Leopold Gratz an der Spitze der größten SP-Landesorgansation ab.

Sein Abschied von der aktiven Politik erfolgte in Etappen. Zuerst übergab er 1993 die Führung der Partei an den damaligen Umweltstadtrat Häupl und wurde zum Ehrenvorsitzenden der SPÖ-Wien gewählt. Im November 1994 zog er sich gemeinsam Zilk auch aus der Stadtregierung zurück.

Unter den vielen Auszeichnungen – so ist Mayr seit April 1995 Ehrenbürger der Bundeshauptstadt – findet sich auch ein päpstlicher Orden. Für seinen Einsatz für das Hospiz der Caritas Socialis wurde er mit dem Komturkreuz des Gregorius-Ordens ausgezeichnet.

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