8. Juli 2010 08:20; Akt.: 8.07.2010 08:20

20 Jahre Internet: Eine kriminelle Revolution

Das Internet birgt auch große Gefahren. Das Internet birgt auch große Gefahren. - © APA/Hochmuth
Das Internet hat in den vergangenen 20 Jahren auch für eine kriminelle Revolution gesorgt. Ob Pädophile, die ihre schmutzigen Daten austauschen, Terroristen, die das WWW als Kommunikationsplattform nutzen, Hacker oder Betrüger: Das Net hat Tätern aller Art unglaubliche Möglichkeiten eröffnet, die von Jahr zu Jahr stärker ausgeschöpft werden.

Für die Strafverfolgungsbehörden war das ebenfalls eine neue Situation: Gesetze mussten vielfach erst geschaffen oder zumindest geändert werden, die Polizei hatte technisch und vom Know-how her nachzurüsten. Doch heute nutzen auch die Ermittler das Internet, um Verbrecher zu jagen.

Wie groß das Potenzial in Sachen Cybercrime wirklich ist, weiß nach wie vor niemand. Nur als Beispiel: Das Bundeskriminalamt registrierte im Vorjahr 9.000 Anzeigen wegen Internet-Betrugs. Das bedeutete eine Steigerung um 300 Prozent gegenüber 2008. Die Schadenssummen betragen bis zu mehreren 100.000 Euro, die Gesamtschadenshöhe lasse sich aber nicht seriös beziffern, heißt es. Auch die Zahl der Hinweise bei der Meldestelle für Kinderpornografie ist weiter im Steigen begriffen: 2009 waren es 5.489 Meldungen, im Jahr davor 5.238, 2007 noch 3.698.

Zu den mittlerweile bekanntesten Internet-Betrugsformen zählen die nach dem entsprechenden Paragrafen im nigerianischen Strafgesetzbuch benannten 419er Briefe. Die Betrüger schicken an tausende Adressaten Mails mit erfundenen Geschichten. Dabei geht es immer um vermeintliche Personen, die an viele Millionen Dollar kommen können, dafür aber Hilfe benötigen. Den Opfern werden für ihre Unterstützung hohe Provisionen zugesagt. Meldet sich jemand bei den Betrügern, hängt er auch schon am Haken: Immer wieder tauchen neue Schwierigkeiten bei der Geldbeschaffung auf, die natürlich mit finanziellen Zuwendungen zu lösen sind. Das Pikante daran: Diese Betrugsform gab es auch schon vor dem Internet. Die Täter verschickten ihre Briefe auf Papier per Post.

Beinahe klassisch sind auch die Betrugsformen mit dem Internet-Versandhandel. Hier können beide Seiten zum Täter werden. Zum einen verführt die Leichtigkeit, mit der Waren aller Art etwa über Kreditkarte im Internet zu bestellen sind, viele dazu, sich rettungslos zu überschulden und selbst dann nicht aufzuhören, wenn sie schon längst nicht mehr ihre Waren bezahlen können. Zum anderen sind nicht alle Anbieter – etwa auf Auktionsbörsen – seriös. Immer wieder gibt es Fälle von Anbietern, die abkassieren, aber nie liefern.

Spam, Viren, Trojaner, Schadware, Phishing: Eine der lukrativsten Formen der Internet-Kriminalität ist das Abschöpfen persönlicher Daten bis hin zu Konten- und Kreditkarteninformationen. Der Hund liegt oft in Attachments ungebetener Mails begraben. Den Kunden wird ein sensationelles Angebot vorgegaukelt, das sie wahrnehmen können, wenn sie den Anhang öffnen. Wer das tut, hat schon die Schadware installiert. Trojaner zeichnen alle Aktivitäten am PC auf und leiten sie an den Urheber weiter. Sind sensible Passwörter dabei, haben die Kriminellen schon gewonnen.

Als Katalysator haben hier Social Networks wie Facebook, Twitter usw. fungiert. Vor allem die Games auf diesen Plattformen haben es Tätern angetan. Denn die Spielteilnehmer werden zum sorglosen Umgang mit persönlichen Daten verleitet, wie eine Studie erst unlängst feststellte. Die User sind bestrebt, die eigene Community rasch zu erweitern. Das nützen die Spammer über falsche Accounts aus.

Doch nicht nur der Betrug boomt dank Internet: Auch beim Drogenhandel spielt das Web eine immer größere Rolle. So werden große Teile des Dopingvertriebs im Netz abgewickelt. Wer Viagra oder andere Mittel benötigt, bekommt sie online, allerdings meist gefälscht.

Der Handel mit Kinderpornos hat in den vergangenen Jahren neue Dimensionen erreicht. Die Täter haben immer ausgeklügeltere Formen des Vertriebs gefunden. File Sharing heißt das Zauberwort, mit beinahe für jeden zugänglichen Foren geben sich Pädophile nicht mehr ab. Zum Glück haben auch die Ermittler ihre Methoden weiter verfeinert, Kinderschänder sind mitnichten im Internet sicher.

Die Ermittler haben generell nachgerüstet: Das heimische Bundeskriminalamt ist mittlerweile im Facebook vertreten und hat knapp 10.000 Anhänger. Neben Tipps zur Kriminalprävention suchen die Ermittler auch nach Personen, so zum Beispiel nach der abgängigen Niederösterreicherin Julia Kührer.



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