175 Jahre Wiener Philharmoniker: Sonderausstellung zeigt Geschichte des Orchesters

Das erste Orchesterfoto der Wiener Philharmoniker aus dem Jahre 1864.
Das erste Orchesterfoto der Wiener Philharmoniker aus dem Jahre 1864. - © APA/HISTORISCHES ARCHIV/WIENER PHILHARMONIKER
Die Wiener Philharmoniker feiern heuer ihr 175-jähriges Bestehen – und das recht ausgiebig mit Jubiläumsband, CD-Box, Konzert, Plattenspieler und Sonderschau. Im Haus der Musik zeigt die Ausstellung “2 x 175 Jahre Philharmoniker: Wien und New York” ab Ende März die Geschichte des Orchesters bei freiem Eintritt.

Vor 175 Jahren, genauer gesagt am 28. März 1842, begann die Geschichte der Wiener Philharmoniker mit dem ersten Konzert unter Otto Nicolai – und das Orchester feiert ordentlich. Nach der Präsentation eines Jubiläumsbandes, einer CD-Box und einem Konzert wurde am Dienstag eine Sonderschau im Haus der Musik eröffnet. Hinzu kommen neue Räume für das Historische Archiv – und ein Plattenspieler.

Zu einer Feier lädt man sich am besten Freunde ein, und so haben sich die Wiener mit den Kollegen aus New York zusammengetan, die heuer ebenfalls 175-Jahr-Jubiläum begehen – auch wenn die Wiener genau genommen etwas älter sind als das New York Philharmonic Orchestra, das am 7. Dezember 1842 sein erstes Konzert gab. Das parallele Jubiläum feiert man mit einer gemeinsamen Ausstellung im Wiener Haus der Musik, die in kleinerer Form zuvor bereits im Österreichischen Kulturforum New York zu sehen war.

Sonderausstellung zum 175-Jahr-Jubliäum im Haus der Musik

“Es ist eine andere Möglichkeit zu feiern, als immer nur zu sagen: Wir, wir, wir”, unterstrich Philharmoniker-Vorstand Andreas Großbauer bei der Präsentation am Dienstag. Unter dem Titel “2 x 175 Jahre Philharmoniker: Wien und New York” ist die Sonderausstellung nun bei freiem Eintritt bis Anfang 2018 zu sehen. Mit Gründungsdokumenten und Konzertprogrammen, vor allem aber einer ganzen Reihe an Fotografien wird die Geschichte der beiden Klangkörper nachgezeichnet, wobei ein eigenes Kapitel den Auswirkungen der NS-Zeit gewidmet ist.

Und auch die Kunst kommt zu ihrem Recht, formt doch noch bis 5. April eine Skulptur der Künstlerin Nives Widauer aus den Instrumententransportboxen der Philharmoniker eine Rakete im Foyer. Unverändert von der Jubiläumsschau bleibt die Hauptausstellung zum Orchester im Haus der Musik, findet sich doch im 1. Stock das Museum des Klangkörpers, der im 3. Stock virtuell von den Besuchern dirigiert werden kann.

Historisches Archiv der Wiener Philharmoniker expandierte

Parallel zur Ausstellung wurde am Dienstag auch das erweiterte Historische Archiv der Wiener Philharmoniker im Haus der Musik eröffnet, das von gut 50 auf nun 450 Quadratmeter expandierte. “Diese neuen Räumlichkeiten eröffnen uns die Möglichkeiten, unsere Bestände zusammenzuführen”, freute sich Oboist Wolfgang Plank, der auch als Archivleiter des Orchesters fungiert. Finanziert wurde die Anmietung und Adaptierung der Räumlichkeiten mit dem Birgit-Nilsson-Preis, der mit einer Million US-Dollar (918.358 Euro) dotiert ist und den Philharmonikern 2014 verliehen wurde.

1979 trennte man das Notenarchiv vom Historischen. Heute finden sich in letzterem rund 7.000 Programme, 6.500 Briefe von prominenten Künstlern, Ehrengeschenke oder auch 15.000 Fotos. Auch Notenautografe von Brahms oder Strauss und klassische Akten bilden den Bestand – und seit heute auch wieder eine Partitur, die Stardirigent Leonard Bernstein einst “mitgehen” ließ. Es handelt sich um Gustav Mahlers “Das Lied von der Erde”, das Bernstein 1966 bei seinem Philharmoniker-Debüt dirigierte und das Barbara Haws, Archivdirektorin der New Yorker, nun wieder nach Wien zurückbrachte: “Es wäre ja kein Geburtstag ohne ein Geschenk.”

Runder Geburtstag wird mit Plattenspieler gefeiert

Wie die Noten in den Besitz des Dirigenten gelangten, ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar. Einen “Diebstahl” glaubt Haws jedoch ausschließen zu können: “Ich bin mir sicher, dass er nicht mitten in der Nacht mit der Partitur abgehauen ist, sondern den Archivar gefragt hat. Und es gab nur sehr wenige Menschen, die Leonard Bernstein etwas abschlagen konnten.”

Und schließlich feiert man den runden Geburtstag auch mit einem neuen Plattenspieler der Firma Pro-ject Audio. Diese Jubiläumsedition besteht aus Materialien, die auch im Instrumentenbau zum Einsatz kommen. Sie ist auf 175 Stück limitiert – und stellt mit einem Stückpreis von rund 7.000 Euro nicht direkt das Einsteigermodell ins Vinylfach dar.

(APA/Red)

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