16-Jähriger nach Raubversuch am Roten Berg in Wien-Hietzing vor Gericht

Ein 16-Jähriger stand nach einem Raubversuch vor Gericht
Ein 16-Jähriger stand nach einem Raubversuch vor Gericht - © APA (Sujet)
Ein 16-Jähriger soll einen gleichaltrigen, ihm körperlich unterlegen Burschen mit einem Springmesser bedroht und mit Faustschlägen und Ohrfeigen drangsaliert haben. Infolgedessen hat er sich am Dienstag vor einem Schöffensenat im Straflandesgericht verantworten müssen.

Die Anklage lautete auf versuchten schweren Raub. Der bisher Unbescholtene soll auf Handy, Bargeld und Bankomat-Karte aus gewesen sein. Die beiden Burschen waren sich am 15. Oktober 2015 am Roten Berg in Wien-Hietzing begegnet.

Raubversuch am Roten Berg: 60 Cent und kaputtes Handy

Der Angeklagte habe ihm zunächst einen Faustschlag gegen die linke Schläfe versetzt und ihn gezwungen, sich auf eine Bank zu setzen, schilderte der kleinere der beiden als Zeuge. Dann habe er Geld verlangt. “Ich hab’ ihm gesagt, dass er mit 60 Cent nicht glücklich sein wird”, berichtete der Zeuge dem Gericht. Als der Täter stattdessen das Handy haben wollte, “hab’ ich ihm sagen müssen, dass das kaputt ist”.

Offenbar um das Opfer zu demütigen, soll der Angeklagte ihm darauf ein paar Ohrfeigen versetzt und ihn aufgefordert haben, sich vor ihn hinzuknien. Weil der Bursch dem nicht gleich nachkam – es hatte geregnet, er wollte seine weißen Hosen nicht am nassen Erdreich beschmutzen – kassierte er einen weiteren Faustschlag in den Bauch.

16-Jähriger mit einem Messer bedroht

“Die Bankomat-Karte wollte er auch, aber ich hab’ nix mehr am Konto gehabt”, setzte der Schüler seine Schilderung fort. Schließlich habe ihm der Angeklagte die Klinge des Messers gegen die Kehle gedrückt: “Als ich gesagt habe, er soll aufhören, hat er gemeint, ich soll nix mehr sagen, sonst zieht er durch.”

In einem günstigen Moment, weil der Täter kurz abgelenkt war, sei es ihm gelungen davonzulaufen. “Ich bin zu meiner Freundin gerannt, die in der Nähe wohnt, und habe Sturm geläutet”, gab der 16-Jährige zu Protokoll. Anschließend suchte er das Hanusch-Krankenhaus auf, wo unter anderem eine Schädelprellung diagnostiziert wurde.

War Raubversuch in Hietzing Wiedergutmachung?

Der Angeklagte bekannte sich lediglich dazu schuldig, den anderen Burschen geohrfeigt zu haben. Er habe diesen nämlich irrtümlich für jenen Jugendlichen gehalten, der seiner Freundin ein paar Wochen vorher die Handtasche gestohlen hatte. Er habe “als Wiedergutmachung für die Tasche” Geld verlangt. Das Handy habe er nur ausgehändigt bekommen wollen, “damit er bei mir bleibt und nicht weglaufen kann”. Ein Messer sei nie im Spiel gewesen.

Zur Einvernahme mehrerer Zeugen wurde die Verhandlung auf Mitte April vertagt. Auf die Frage von Richter Daniel Potmesil, ob er sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligter anschließen und Schmerzengeld geltend machen wolle, erwiderte das mutmaßliche Opfer: “Nein. Ich möchte ihm nicht die Zukunft vermiesen. Ich möchte, dass er weiß, dass man nicht einfach so mit einem Messer in der Stadt herumlaufen kann.”

(apa/red)

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