21. Juni 2012 15:34; Akt.: 21.06.2012 15:34

Kleinkind stürzt in Wien aus Fenster: So geschah der tragische Unfall

In einem kurzen unbeobachteten Moment fiel der kleine Bub aus einem Fenster dieses Hauses In einem kurzen unbeobachteten Moment fiel der kleine Bub aus einem Fenster dieses Hauses - © APA
Wie bereits berichtet, geschah am Donnerstagfrüh ein tragisches Unglück in Wien-Fünfhaus: Ein kleiner Bub wurde bei einem Sturz aus einem Fenster in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus tödlich verletzt. Nun weiß man, wie das Unglück geschah – und Experten informieren über mögliche Prävention solcher dramatischen Vorfälle.
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Wie die Polizei berichtet,  erhielt die Funkwagenbesatzung “Otto/3″ am Donnerstag um 08:42 Uhr einen Einsatz in die Rauchfangkehrergasse, da ein kleines Kind aus einem Fenster gestürzt war.

Sturz aus dem Fenster in den Tod

Der kleine Bub, der, wie nun bekannt wurde, erst 20 Monate alt war, lag auf dem Gehsteig vor dem Wohnhaus. Die Polizisten begannen sofort mit der Reanimation des Kindes, da kein Herzschlag mehr zu fühlen war. Diese Maßnahme wurde bis zum Eintreffen des Notarztes weitergeführt. Im Anschluss wurde der Bub mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Die Eltern erlitten einen Schock.

Laut einer ersten Aussage der Mutter (21) wollte sie den Kinderwagen aus dem Nebenraum holen um mit dem Buben fortzugehen. Das Fenster stand zu diesem Zeitpunkt offen. Das Kind dürfte auf einen Stuhl geklettert und in die Tiefe gestürzt sein.

Kinder unter drei Jahren besonders gefährdet

Fensterstürze passieren selten, der Anteil der dabei getöteten oder schwer verletzten Kinder ist jedoch groß. Statistisch gesehen endet einer von vier Stürzen tödlich, berichteten die Experten des Vereins “Große schützen Kleine”. 2011 fielen in Österreich acht Kinder aus dem Fenster, in zwei Fällen verloren die Opfer dabei ihr Leben. 2012 gab es bisher vier derartige Unfälle zu verzeichnen. Besonders gefährdet sind Kinder unter drei Jahren.

Fenstersicherung kann Leben retten, plädierte der Verein am Donnerstag. “Gerade bis zum Alter von fünf Jahren sind Kinder – und hier vor allem die Buben – besonders gefährdet, weil ihr Forscherdrang groß ist und die motorische Entwicklung enorme Fortschritte macht. Plötzlich können sie Sessel zum Fenster schieben oder sogar selbst das Fenster öffnen. Gerade deshalb ist bei so kleinen Kindern die adäquate Sicherung von Fenstern, Terrassen und Balkontüren so wichtig”, sagte Kindersicherheitsexperte Michael Höllwarth, Präsident des Vereins “Große schützen Kleine”.  

Mit zunehmender Höhe steigt die Gefahr von tödlichen Verletzungen. So stürzten in den vergangen drei Jahren sieben der neun verstorbenen Kindern aus dem 3. Stockwerk und höher.

Fenstersicherungen können schützen

Um sich vor schweren und tödlichen Unfällen zu schützen, helfen Fenstersicherungen. Sie sind einfach im Nachhinein anzubringen und relativ preiswert. So gibt es am Fensterrahmen angebrachte Fensterriegel aus Plastik oder Metall um circa fünf Euro pro Fenster oder versperrbare Kindersicherheitsgriffe mit Schlüssel um rund 20 Euro pro Fenster.

Durch die Fensterriegel lassen sich die Fenster nur einen Spalt, nie aber ganz öffnen. Empfehlenswerter sind laut “Große schützen Kleine” absperrbare Kindersicherheitsgriffe. Diese speziellen Griffe sind nicht nur einfach versperrbar, sondern lassen sich ausschließlich mit beiden Händen und einer kombinierten Drehbewegung des Schlüssels und des Fenstergriffs öffnen. Fliegengitter bieten hingegen keinen ausreichenden Schutz. Kinder fühlen sich dadurch womöglich sicher und denken, dass sie sich dagegen lehnen können – ein möglicherweise tragischer Irrtum.

Das raten die Experten

 Um das Risiko eines Fenster- oder Balkonsturzes einzudämmen, raten die Experten:

  • Versperrbare Sicherungen für Fenster und Balkontüren installieren
  • Kinder beim Lüften nicht aus den Augen lassen
  • Sessel, Tische etc. nicht in die Nähe von Fenstern stellen – Kinder können sie geschickt als “Leiter” benutzen
  • Keine Kinderbetten unter das Fenster stellen
  • Beim Fensterputzen nicht vergessen, das Kind von offenen Fenstern fernzuhalten

(apa/red)



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