So wird der Ausbau des U-Bahn-Netzes den Wiener Immobilienmarkt verändern

Von Jennifer Schindl
Immobilienexperte Bernd Gabel-Hlawa gibt Auskunft zur Preisentwicklung durch den U-Bahn-Ausbau in Wien.
Immobilienexperte Bernd Gabel-Hlawa gibt Auskunft zur Preisentwicklung durch den U-Bahn-Ausbau in Wien. - © APA-Sujet/Michael Stelzhammer
Eine gute öffentliche Anbindung steht in direkter Verbindung zum Immobilienmarkt. Wie wird der Ausbau des U-Bahn-Netzes die Preise in den Wiener Wohnbezirken beeinflussen? Wo werden neue Trendviertel entstehen? VIENNA.at hat den Immobilienexperten Bernd Gabel-Hlawa um eine Prognose und Schnäppchen-Geheimtipps gebeten.

Bernd Gabel-Hlawa, Immobilienexperte und Geschäftsführer von FindMyHome.at, kann durch langjährige Beobachtung des Immobilienmarkts eindeutige Prognosen zu den Veränderungen in Wien geben. Hier seine Einschätzung zur Stadtentwicklung durch den Ausbau des U-Bahn-Netzes.

Vienna.at: Wird sich die neue U5- bzw. U2-Führung auf die Immobilienpreise rund um die Linien auswirken?

Bernd Gabel-Hlawa: Ja, auf jeden Fall. Immobilien in der unmittelbaren Umgebung der neuen Stationen werden voraussichtlich eine Preissteigerung von bis zu 30 Prozent erleben.

Vienna.at: Werden die Immobilienpreise auch dort jetzt schon steigen, wo der Ausbau erst in einer zweiten Baustufe, also später, geplant ist (zB. Hernals oder Wienerberg)?

Bernd Gabel-Hlawa: Meiner Erfahrung nach, ja. Developer und Bauträger wissen, dass die Lage rund um die neuen Stationen begehrt sein werden und entwickeln schon Jahre im Voraus neue Projekte. Diese neuen Immobilien werten die Gegenden auf und ermöglichen frischen Zuzug – machen die Gegend also bereits im Vorhinein attraktiver. Damit steigen folglich auch die Preise schon in den Jahren davor kontinuierlich.

Vienna.at: Wird es neue Trendgrätzl/-bezirke geben? Werden bestimmte Gegenden voraussichtlich besonders beliebte Wohnlocations werden?

Bernd Gabel-Hlawa: Der 5. Bezirk ist seit Jahren ein Trendbezirk – und aktuell der Ort, der auch durch die neuen Linien enorm profitieren und an Beliebtheit zunehmen wird. Während der 6. und 7. Bezirk stetig nobler werden, ist der 5. der neue moderne, hippe Bezirk. Diese Beliebtheit wird mit der neuen U2-Linienführung natürlich weiterhin steigen. Ebenso erwacht der 9. Bezirk aus seinem Dornröschenschlaf, denn es zieht immer mehr junge Paare mit höherem Einkommen – sogenannte DINKS (double income no kinds) in diesen Bezirk – das verstärkt sich durch die U5 noch zunehmend. Ein weiteres gutes Beispiel ist Favoriten, das schon durch die U1-Verlängerung profitiert hat. Dabei ist die öffentliche Anbindung allerdings immer nur der erste Schritt, damit eine Gegend zum Trendgrätzl mutiert. Wichtig sind vor allem die Menschen, die das Grätzl beleben und somit für eine Weiterentwicklung der allgemeinen Lebensqualität sorgen. Wie in früheren Zeiten in Mariahilf, Neubau oder auch in Leopoldstadt, passiert das aktuell im 10. Bezirk – das wird Favoriten auch in Zukunft verstärkt zur In-Gegend machen.

Vienna.at: Gibt es aktuell billige Geheimtipps in Wien, die aufgrund der neuen Anbindung bald sehr beliebt sein werden?

Bernd Gabel-Hlawa: Hernals wird voraussichtlich so ein Stadtteil sein – Eigentümer in dieser Gegend werden dank der besseren Anbindung besonders davon profitieren. Generell gilt, dass die Lagen innerhalb des Gürtels entlang der geplanten U5 bzw. der neuen U2-Streckenführung jetzt schon beliebte Wohnregionen sind. Wer daher noch in „Schnäppchen“ investieren will, muss sich außerhalb des Gürtels umsehen.

Vienna.at: Die Linie 43 ist zu Hauptverkehrszeiten trotz hoher Frequentierung der Züge stark ausgelastet. Sobald die U-Bahn bis zum Elterleinplatz fährt, wird dieser von Menschen überfüllt sein, die mit der Straßenbahn weiter hinaus in den Westen Wiens fahren wollen. Wirkt diese Entwicklung nicht eher preismindernd auf die Gegend?

Bernd Gabel-Hlawa: Das ist zwar auf den ersten Blick eine unangenehme Entwicklung für die Gegend, wird sich aber voraussichtlich nicht in einer Preissenkung widerspiegeln. Das beweisen auch ähnliche Situationen in anderen Städten, wie etwa London oder New York – hier sind gerade die Lagen, die in punkto Infrastruktur eine besonders hohe Auslastung aufweisen, immer noch sehr teure Wohngegenden.

>> Mehr Infos und Nachrichten zu Wiens Stadtentwicklung

(Red.)

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