Vom “Wiener Herz”: Josephinum Wien zeigt Ausstellung über Kunstherzen

Von Lea Luna Holzinger
Zum 50 jährigen Jubliäum zeigt das Josephinum eine Ausstellung über Kunstherzen.
Zum 50 jährigen Jubliäum zeigt das Josephinum eine Ausstellung über Kunstherzen. - © Josephinum, Peter Garmusch
Künstliche Herzen als “Brücke zum Überleben”. Das Josephinum Wien widmet dem Wiener Kunstherzprogramm eine Ausstellung. Seit 50 Jahren werden in Wien künstliche Herzen entwickelt. Wir waren in der Ausstellung und haben gelernt, was es mit dem “Wiener Herz” auf sich hat.

Das Bild eines riesigen, blutenden Herzens begrüßt die Besucher im Josephinum. Das Foto ist Teil der Ausstellung “Künstliche Herzen – die Brücke zum Überleben” über das Kunstherzprogramm in Wien. Dieses wurde vor 50 Jahren ins Leben gerufen und war damals weltweit führend. Vor 50 Jahren wurde auch die erste erfolgreiche Herztransplantation durchgeführt. “Das Problem damals war, dass es eine ewig lange Warteschlange und zu wenig Spenderherzen gab”, erklärt Dr. Ruth Koblizek, die durch die Ausstellung führt. Viele Patienten starben, während sie auf ein Herz warteten. “Man hat überlegt, wie man das Leben der Menschen verlängern kann – da kam das Kunstherzprogramm in Wien ins Spiel”, so Koblizek. Kunstherzen sollten eine “Brücke zum Überleben” bilden, bis der Patient ein Spenderherz bekam.

Das “Neue Wiener Herz” als Totalherzersatz

Josephinum/Bene Croy Das “Neue Wiener Kunstherz” aus den 80er Jahren. (c) Josephinum/Bene Croy ©

Nach der Entwicklung von Ballonpumpen, die das Herz unterstützten, wurde im Wiener Josephinum das “Neue Wiener Herz” entwickelt und 1986 erstmals bei einem Patienten eingesetzt. Das Ungetüm ist in einer Vitrine der Ausstellung zu sehen. Mit dem “Wiener Herz” konnten Patienten zwei Wochen Wartezeit auf ein Spenderherz überbrücken. “Bis in die 80er Jahre war Wien führend in der Entwicklung von Kunstherzen”, meint Koblizek. Die Kunstherzen in den 1980er Jahren waren durch Schläuche, die aus dem Körper des Patienten führten, mit einem großen computergesteuerten Antriebssystem verbunden. Eine solche Apparatur ist auch in der Ausstellung zu sehen. Das laute Klacken des Geräts klingt durch die Räume.

Kleine Herzpumpen mit Akku-Antrieb

In der Vitrine gleich nebenan liegen kleine, sogenannte Rotorenpumpen. Diese zeigen den großen Fortschritt, den die Entwicklung von Kunstherzen in den 90er Jahren machte. “Man kam damals davon weg, das ganze Herz zu ersetzen”, erklärt Koblizek. Statt Kunstherzen kamen kleine Pumpen zum Einsatz, die an der Herzspitze angebracht wurden. Ähnliche Pumpen kommen auch heutzutage bei schwer herzschwachen Menschen zum Einsatz. Die Akkus für die Herzpumpen sind nun allerdings so klein, dass sie in einer Bauchtasche befördert werden können. Wiener Spezialisten waren an der Entwicklung dieser Rotationspumpen maßgeblich beteiligt.

Josephinum/Bene Croy Mit der Herzpumpe können Patienten zehn Jahre auf ein Spenderherz warten. (c) Josephinum/Bene Croy ©

In der Ausstellung ist ein Film über Menschen mit solchen Herzpumpen zu sehen, die dank diesen wieder Rad fahren und wandern können. “Die Pumpen haben eine 60-prozentige Sauerstoffverarbeitung – das ist besser als bei einem natürlichen Herz”, so Koblizek. Mit einer solchen Pumpe können Patienten zehn Jahre auf eine Herztransplantation warten. Auf einem Bildschirm ist die Operation einer solchen Einsetzung der Pumpe zu sehen. “In Wien werden circa alle zwei Monate solche Operationen durchgeführt”, erklärt Koblizek.

Zum Herzschlag tanzen – künstlerische Annäherung an das Herz

Neben dem technischen, medizinischen Teil der Ausstellung gibt es auch künstlerische Arbeiten zum Thema Herz zu sehen. “Wir haben junge Künstler gefragt, was ihnen zum Herz einfällt”, so Koblizek. Dabei entstand unter anderem die Arbeit der Künstlerin Anna Witt. Sie nahm den Herzschlag verschiedener Personen auf und ließ junge Menschen dazu tanzen. Das Ergebnis ist in einem Video zu sehen und zu hören. Dabei wird auch deutlich, dass jeder Mensch einen individuellen Herzschlag hat. Befindet man sich im “Herzen” des Josephinums, beim alten Hörsaal, wird man von den Klängen eines schlagenden Herzens beschallt. Das menschliche Herz erzeugt pro Minute 60 Geräuschtöne.

Wachs-Herzen aus dem 18. Jahrhundert

Wer noch mehr über die Anatomie des Herzens erfahren möchte, kann noch in der Sammlung anatomischer Wachsmodelle vorbeischauen. Diese stammen aus dem 18. Jahrhundert und zeigen detailgetreu den anatomischen Aufbau des Körpers.

Informationen zur Ausstellung

Die Sonderausstellung “Künstliche Herzen – die Brücke zum Überleben” ist noch bis 7. Oktober 2017 im Josephinum zu sehen.

Adresse: Währinger Straße 25, 1090 Wien

Öffnungszeiten der Sonderausstellung: Mittwoch 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr, Freitag und Samstag 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

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