Wien-Landstraße: Mahnmal am früheren Aspangbahnhof enthüllt

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Das Deportationsmahnmal am ehemaligen Aspangbahnhof.
Das Deportationsmahnmal am ehemaligen Aspangbahnhof. - © APA/Herbert Neubauer
Auf dem Gelände des ehemaligen Aspangbahnhofs in Wien-Landstraße steht nun ein Mahnmal, dass an die Deportationen während des Nazi-Regimes erinnert.

Auf dem Areal des ehemaligen Aspangbahnhofs in Wien-Landstraße erinnert ab sofort ein Mahnmal an die äußerst dunkle Geschichte dieses Orts. Denn die Nationalsozialisten führten hier zwischen 1939 und 1942 Abtransporte von rund 47.000 Menschen – fast ausschließlich Juden – in Ghettos und Vernichtungslager durch. Die Gedenkstätte für die Deportationsopfer wurde am Donnerstag offiziell eröffnet.

Auf das Grauen der Vergangenheit nimmt das Mahnmal im Leon-Zelman-Park direkt Bezug: Auf einer Länge von 30 Metern verlaufen – parallel zur Aspangstraße – zwei konisch sich verengende Betonschienen am Boden, die die Gleisstränge der in den 1970er-Jahren endgültig abgerissenen Verkehrsstation symbolisieren sollen. Diese münden schließlich in einen dunklen hohlen Betonblock, der für den Tod, das Verschwinden stehen soll.

“Die Shoah hat auch mitten in der Stadt stattgefunden”

“Die Shoah hat nicht nur in fernen Vernichtungslagern stattgefunden”, sondern eben auch “mitten in der Stadt, vor den Augen der Bevölkerung”, betonte Historikerin Heidemarie Uhl. Sie erinnerte an die 47.035 Deportierten, die in 47 Transporten – die überwiegende Mehrheit fand in den Jahren 1941/42 statt – per Zug in die Vernichtungslager geschickt worden waren. Nur 1.073 Menschen überlebten. Zahlen, die auch am Denkmal aufgebracht sind.

Einer der wenigen, die zurückgekommen sind, ist Herbert Schrott. Der Zeitzeuge sprach heute vor allem vom Spott und Hohn der Wiener, der ihm am Weg zum Aspangbahnhof von der Bevölkerung entgegengebracht wurde. “Die Tragödie war damals den Wienern ein Triumph”, es habe “kein Zeichen von Mitgefühl und Menschlichkeit” gegeben. Die Familie Schrott wurde zuerst ins Ghetto Theresienstadt, dann nach Auschwitz, dann in ein Nebenlager von Dachau gebracht. Mutter und Sohn überlebten, der Vater kam ums Leben: “Dieses Mahnmal soll an eine Zeit ohne Gnade erinnern.”

“Niemals vergessen”

Vertreter der rot-grünen Stadtregierung – darunter Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (beide SPÖ) und der grüne Rathaus-Klubchef David Ellensohn – betonten ebenfalls, dass das Grauen vor den Augen und auch unter Mithilfe der Wienerinnen und Wiener stattgefunden habe. Im Sinne der Mahnung “Niemals vergessen” sei vor allem Vermittlungsarbeit wichtig. Deshalb wurde der – schon seit rund drei Jahrzehnten existierende Gedenkstein – um eine große Tafel ergänzt, die über den Ort informiert. Eine Liste der Deportationszüge mit Datum, Zielort und Zahl der Deportierten sowie eine Landkarte mit den Deportationszielen findet man hier ebenfalls.

Mailath-Pokorny und Ellensohn betonten beide, dass Erinnerungsorte und das damit verbundene Gedenken auch dazu da seien, “Taten für die Zukunft” daraus abzuleiten, also Ausgrenzung und Antisemitismus nicht zuzulassen und sich für Friede und Menschlichkeit einzusetzen. “Ich sage das jetzt im Hinblick auf den gegenwärtigen Wahlkampf: Es beginnt oft mit Worten und es beginnt oft sehr harmlos”, meinte der Kulturstadtrat.

“Wichtige Mahnung für die Gegenwart und Zukunft”

In eine ähnliche Kerbe schlug Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien: In einer Zeit, in der Antisemitismus wieder im Aufstieg sei und Terrorismus und kriegerische Konflikte wieder zunähmen, sei dieses Mahnmal eine “wichtige Mahnung für die Gegenwart und Zukunft”. Am Schluss der rund einstündigen Zeremonie, bei der auch die israelische Botschafterin in Österreich, Talya Lador-Fresher, kurz das Wort ergriff, wurde mit einem Kaddisch beendet, das von IKG-Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg gesprochen wurde. Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) hatte seine angekündigte Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Der Entwurf für das Deportationsmahnmal stammt vom Künstlerduo Prinzgau/Podgorschek. Er wurde im November 2016 durch eine vom KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) eingesetzte Jury zum Wettbewerbssieger erklärt. Für die Umsetzung, die ab dem Frühjahr erfolgte, stellte die Stadt 330.000 Euro zur Verfügung.

(APA, Red.)

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