Mann stach auf bettlägerigen Bekannten in Wien-Landstraße ein: Prozess

Auf bettlägerigen Bekannten eingestochen: Prozess in Wien
Auf bettlägerigen Bekannten eingestochen: Prozess in Wien - © APA (Sujet)
Nachspiel einer Messer-Attacke in Wien-Landstraße: Nachdem er vor rund einem Jahr einen bettlägerigen Bekannten mit einem Fixiermesser verletzt hatte, hat sich ein 32-jähriger Mann am Dienstag am Landesgericht für Strafsachen verantworten müssen.

Er fügte dem 56-Jährigen in dessen Wohnung im Streit Schnittverletzungen am Bauch, am Oberarm und an der Stirn zu.

56-Jährigem unterstellt, Hund versteckt zu haben

Zu der Auseinandersetzung war es gekommen, weil der Angeklagte dem Bekannten unterstellte, seinen Hund versteckt zu haben. An sich hatte er dem 56-Jährigen am 17. Dezember 2017 mehrere Paletten Dosenbier und zwei Flaschen Metaxa besorgt. Der adipöse Mann – er wog 175 Kilogramm – verbrachte seine Tage de facto im Bett, der 32-Jährige erledigte ihm die Einkäufe und sonstige Besorgungen.

In der Wohnung habe man getrunken und schließlich gemeinsam am Bett sitzend ein Fotoalbum angeschaut, das den 56-Jährigen an alte, bessere Zeiten erinnerte, berichtete der Angeklagte dem Schöffensenat (Vorsatz: Nicole Baczak): “Da hab’ i an schlechten Witz gemacht und er hat mir an Bierkrug auffi g’haut.” Dass er obendrein seinen geliebten Vierbeiner vermisst und deswegen dem Bekannten Vorhalte gemacht hätte, sei ihm nicht mehr erinnerlich.

Angeklagter bei Streit in Landstraße stark betrunken

Letzteres könnte daran liegen, dass der Angeklagte – wie später festgestellt wurde – zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung rund drei Promille im Blut hatte. Nach dem Schlag mit dem Bierkrug habe sich der übergewichtige Mann auf ihn geworfen und ein am Nachttisch befindliches Fixiermesser ergriffen, schilderte der 32-Jährige: “Im Schock hab’ ich ihm das Messer entwinden können.” Um den Mann abzuwehren, habe er dann “wahllos” zugestochen: “Ich hab’ mir nicht anders zu helfen gewusst.”

Mit dem Messer in der Hand und infolge des Hiebs mit dem massiven Bierkrug am Kopf stark blutend, begab sich der 32-Jährige aus der Wohnung in sein ums Eck gelegene Stammlokal. Dort drohte er anderen Lokalgästen, er werde “alle abstechen”, weil sein Hund verschwunden sei bzw. diese “Tasso” getötet hätten. Der Wirt verständigte die Polizei, die den rabiaten Mann festnahm und in weiterer Folge herausfand, dass dieser seinen Hund offenbar in seiner eigenen Wohnung vergessen hatte.

“Jemand hat mich abgestochen – ich verblute”

Der schwer verletzte 56-Jährige hatte währenddessen seine Schwester angerufen und dieser erklärt, jemand habe ihn “abgestochen” und er “verblute”. Die Frau verständigte die Rettung, der 56-Jährige kam auf die Intensivstation, wo sich herausstellte, dass die an sich zu erwartende lebensgefährliche Verletzung im Bauchbereich nicht die befürchteten schwerwiegenden Folgen hatte. Aufgrund der Fettschicht war die Klinge nicht tief genug eingedrungen, um grobes Unheil anzurichten. Der 56-Jährige konnte bald wieder das Spital verlassen.

Allerdings ist er mittlerweile an einer Leberzirrhose gestorben und kann daher nicht mehr als Zeuge vernommen werden. Die Verhandlung wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung wurde zur Einholung eines ergänzenden gerichtsmedizinischen Gutachtens, das klären soll, ob eine Notwehr-Situation gegeben war, auf Ende Jänner vertagt.

(apa/red)

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