Nach intensiver Vorarbeit: Albertina Wien zeigt Bruegel-Bestände

Die Albertina zeigt ihre Bruegel-Bestände.
Die Albertina zeigt ihre Bruegel-Bestände. - © Albertina Wien
Die Albertina zeigt mit der neuen Ausstellung “Bruegel. Das Zeichen der Welt” ab 8. September seine Bestände des wichtigsten Zeichners des 16. Jahrhunderts.

Es ist eine Ausstellung, die in der Albertina seit Jahren geplant war: In der neuen Ausstellung “Bruegel. Das Zeichnen der Welt” sind ab Freitag, 8. September, die Albertina-Bestände des wichtigsten Zeichners des 16. Jahrhunderts zu sehen. Die kleinteilige Schau mit 80 Werken würdigt Bruegel als Motivrevolutionär und als nahsichtigen Moralisten. Pieter Bruegel hat aus den nur 15 Jahren seines Schaffens kein umfangreiches Werk hinterlassen. 40 Gemälde, 60 Zeichnungen und ein druckgrafisches Werk, das in der Albertina in seiner Gesamtheit vorhanden ist. “Es gibt aber keine Box, wo Pieter Bruegel draufsteht”, berichtete Kuratorin Eva Michel bei einem Journalistenrundgang am Mittwoch, 6. September.

100 bisher nicht gezeigte Bruegel-Stiche

Foliant um Foliant wurde von den Kunsthistorikerinnen geöffnet, durchforstet und im Detail examiniert. Das Ergebnis: Etwa 100 Bruegel-Stiche, die bisher unpubliziert waren. Da entdeckten sie etwa eine monumentale Antwerpen-Ansicht, von der nur ein einziges weiteres Exemplar erhalten ist und die die Ausstellung gleichsam als Zeitmaschine eröffnet: Die Wirtschafts- aber auch Kunstmetropole seiner Zeit, eine pulsierende Großstadt, in der Unabhängigkeitsstreben, Inquisition und soziale Unruhen schwelen. Und die in Bruegel einen nüchternen, nahe herantretenden, moralisch harsch, aber differenziert urteilenden Chronisten gefunden hat.

Bruegel brach mit niederländischem Manierismus

“Er geht einen ganz eigenen Weg”, schilderte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Mit niederländischem Manierismus habe er genauso gebrochen wie mit romanistischer Antikenverehrung, die Anknüpfung an Hieronymus Boschs fabelhafte, grauenhafte Monster sei dagegen ein zutiefst zeitgenössischer und auch ein säkularer Akt gewesen. “Er bringt damit die Grausamkeit seiner eigenen Zeit auf den Punkt”, so Schröder. Das Laster und die menschlichen Vergehen begreift er nicht als Häresie, als Sünde durch die Abkehr vom richtigen Glauben, sondern als “Erkenntnis des Menschen selbst”.

Vorläufer Bosch bis Dürer in Bruegels Werken ersichtlich

Eine Erkenntnis, die Ekel zur Folge hat. Bruegels berühmteste Zeichnung, sein “Maler und Käufer”, ist weniger Selbstbildnis als “Selbstthematisierung”, so Michel. Der Künstler, angewidert von der Welt, und der Käufer, gierig und blind für das Schöpferische. Weitere ikonische Zeichnungen, die hier nicht nur in Bruegels Werkspektrum, sondern behutsam auch in Vorläufer von Bosch bis Dürer, eingebettet sind, finden sich etwa mit der sarkastischen Unersättlichkeits-Parabel “Die großen Fische fressen die kleinen”, mit dem hoffnungslos eifernden “Alchemisten” oder mit der “Hasenjagd”.

Leihgaben aus Prag in neuer Bruegel Ausstellung in der Albertina

Zwei der “Jahreszeiten”-Zeichnungen sind in Wien vereint – der “Frühling” aus der Albertina und der “Sommer” aus dem Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, eine von nur vierzehn Leihgaben, die Bestandslücken füllen. Aus Prag kommt eine der frühen Landschaftsansichten, die Bruegel als Kunstgattung ganz neu erfunden hat. “Er geht hin zum Dorf, zum Fluss, zum Wald, ganz nah heran”, so Schröder. Eine Abkehr von früheren Panoramen und eine Nahsichtigkeit auf die Natur-Motive, die sie als Protagonisten einer Szene auftreten lassen.

Aufgrund ihrer kunsthistorischen Grundlagenbedeutung wird die Arbeit an der Ausstellung, die Schröder in einer “großen Spanne” mit der Ende September startenden “Raffael”-Schau sieht, auch der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Während der Katalog erstmals die Albertina-Bestände Bruegels publiziert, wurden die Werke auch digitalisiert. Sie sind künftig auch über die Online-Datenbank einsehbar.

APA/Red.

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