Dom Museum Wien eröffnet am Wochenende nach fünfjähriger Schließzeit

Das Dommuseum Wien eröffnet am Wochenende
Das Dommuseum Wien eröffnet am Wochenende - © APA
Am Samstag, dem 7. Oktober, wird das Dom Museum Wien nach fünfjähriger Schließzeit runderneuert eröffnet.

Am Donnerstag stellten Direktorin Johanna Schwanberg, Kardinal Christoph Schönborn und Architekt Boris Podrecca das rundumerneuerte Museum mit verglastem Eingangsportal am Stephansplatz, einem von einer breiten Wendeltreppe umfasstem Glaslift und einer Ausstellung im Obergeschoß, vor.

Dom Museum Wien: Eröffnung am Wochenende

Neu sind nicht nur die sich sehr zurücknehmende, viele Durchblicke zulassende Architektur Podreccas, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung des Hauses, das sich auch gleich einen neuen Namen verpasst hat. Aus “Erzbischöfliches Dom- und Diözesanmuseum der Erdiözese Wien” wurde das “Dom Museum Wien”. Neben der ständigen Sammlungspräsentation, in der die wichtigsten historischen Objekte aus der Sammlung in schlichten, in Grau gehaltenen Schaukästen zu sehen sind, legt Direktorin Schwanberg einen neuen Schwerpunkt auf die Gegenüberstellung von Alt und Neu.

Zwei Sonderausstellungen pro Jahr

Zweimal pro Jahr sollen die Sonderausstellungen wechseln und sich gesellschaftlichen, interkulturellen und interreligiösen Fragen stellen. Den Anfang macht die Schau “Bilder der Sprache und Sprache der Bilder”, die rund die Hälfte der 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche einnimmt und zugleich wunderbare Ausblicke auf den gegenüberliegenden Stephansdom bietet. Dass man sich in einem Dommuseum findet, wird dabei erst bei der näheren Betrachtung der rund 80 gezeigten Werke deutlich. Konzipiert ist der lang gezogene, nur mehr von wenigen tragenden Wänden unterbrochene Ausstellungsraum als “gegenwärtige, diskursive Ausstellungshalle”, wie die Direktorin bei der Pressekonferenz erläuterte.

Für den Anfang habe sie “bewusst eine mediale Thematik gewählt”, um den Beziehungen von Text und Bild im Laufe der Kunstgeschichte auf den Grund zu gehen. So stehen etwa ein aus dem 15. Jahrhundert stammender “Antichrist-Bildertext”, ein Scheibenkreuz aus dem 12. Jahrhundert oder Williams Hogarths Kupferstich “The Sleeping Congregation” (1736) neben Günter Brus’ Serie “Totenklage” (1988), Brigitte Kowanz’ Lichtinstallation “Light is what we see” (1994/2007) oder VALIE EXPORTS “Sehtext: Fingerdicht” (1973). Die Werke speisen sich dabei sowohl aus der hauseigenen Sammlung wie aus hochkarätigen Leihgaben.

Thematisch arrangierte Werke der Schausammlung

Immer wieder bieten sich in Podreccas Architektur, die er selbst als “monochromes Passepartout” für die Objekte bezeichnet, Durchblicke zur Schausammlung, die mit rund 80 Werken lediglich einen kleinen Bestand zeigt, der nicht chronologisch, sondern thematisch arrangiert ist und sich im hinteren Teil des Museums erstreckt. Zentral ist hier das Bildnis Rudolf IV., das älteste Porträt des Abendlandes. Darüber hinaus werden zahlreiche Skulpturen, Altäre, Monstranzen und Gemälde von der Gotik bis zum Jugendstil präsentiert. Der Sammlertätigkeit von Monsignore Otto Mauer wird ein zentraler Raum rechts der Wendeltreppe gewidmet. Der 1973 verstorbene Priester und Mäzen gilt als bedeutender Förderer der Nachkriegsavantgarde, der für seine Galerie nächst St. Stephan u.a. Maria Lassnig, Arnulf Rainer oder Friedensreich Hundertwasser sammelte.

Regelmäßige Workshops und thematische Rundgänge

Wichtig ist Direktorin Schwanberg auch die Vermittlung: So stehen regelmäßig Workshops und thematische Rundgänge auf dem Programm, dazu kommt die Veranstaltungsreihe “DOMerstagabend”, die sich konkreten zeitgenössischen künstlerischen Interventionen widmet. Im Dom Atelier im Zwettler Hof bietet sich zudem Raum für Veranstaltungen. Zusätzlich zu den regulären Tickets gibt es eine Jahreskarte für 25 Euro sowie Kombitickets für den Stephansdom und das Mozarthaus Vienna. Für das multimediale Publikum steht ein interaktiver Mediaguide als App zur Verfügung. Kardinal Schönborn zeigte sich sichtlich erfreut, dass die Jahrzehnte des “großen Provisoriums” nun vorbei sind und sich das Publikum nun auf die geschichtsträchtige “Begegnung zwischen Kunst und Kirche” einlassen kann. Wer sich über die Ausstellungen hinaus dem Thema widmen möchte, hat in drei umfassenden Publikationen die Möglichkeit dazu.

(APA/Red.)

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