10 Mitglieder des Drogen-Clans “La Familia” in Wien verurteilt

Zehn Mitglieder des Drogen-Clans standen in Wien vor Gericht.
Zehn Mitglieder des Drogen-Clans standen in Wien vor Gericht. - © APA
Am Mittwoch ist in Wien der Prozess gegen zehn Mitglieder des Drogen-Clans “La Familia” mit Schuldsprüchen gegen alle Angeklagten zu Ende gegangen. Ein 43-jähriger Lackierer soll in seinen Suchtgifthandel, den er im großen Stil aufgezogen hatte, seine Familie und einen Teil seines Freundeskreises integriert haben. Die Strafen von sechs Monaten bedingt bis 21 unbedingt sind noch nicht rechtskräftig.

In die kriminelle Vereinigung der “schrecklich netten Familie”, so die Staatsanwältin, waren der Hauptangeklagte, seine zweite Frau, zwei Söhne, seine Tochter und deren Ex- sowie Lebensgefährte eingebunden gewesen. Dazu kamen noch Freunde und ein Kokain-Lieferant, der aber lieber im Hintergrund geblieben war.

Angeklagte zum Teil geständig

Alle gaben die umfangreichen Geschäfte, vor allem mit Cannabis und Koks zu, wollten aber von einer kriminellen Vereinigung nichts hören. Die 46-Jährige, die von ihrem Stiefsohn bei der Polizei noch belastet worden war, stritt ab, in die Geschäfte involviert gewesen zu sein und als “Finanzchefin” fungiert zu haben. Sie habe zwar von den Geschäften ihres Mannes gewusst, sich aber bis auf einen Drogentransport nicht daran beteiligt. Widersprüchlich empfanden Zuhörer ihre Darstellung, dessen Sucht kritisiert zu haben, obwohl sie selbst Kokain konsumierte. Ihre Erklärung: Sie hätte dadurch abnehmen wollen.

Der Familienvater hatte nach eigenen Angaben seine drei arbeitslosen Kinder, eine 22-jährige Tochter sowie die beiden Zwillingssöhne (19), mit Drogen versorgt, die diese auch konsumierten. Ihm sei das lieber gewesen, als dass sie es von woanders bekommen hätten. Dass dies ein “Irrsinn” gewesen sei, wäre ihm erst in der Haft bewusst geworden, nachdem er wieder “nüchtern” geworden war.

“Reiner Freundschaftsdienst”

Die Geschäfte hatte der 43-Jährige begonnen, nachdem sein eigener Drogenkonsum aus dem Ruder gelaufen war, wie er aussagte. Bereits zuvor habe seine Freundesrunde die Pokerabende auch mit Suchtgiftkonsum gestaltet. Anfang 2014 hätte er mit dem Handel begonnen – allerdings nur, um die eigene Sucht zu finanzieren.

Diese Argumentation wurde vor Richterin Michaela Röggla-Weiß von allen Angeklagten vertreten. Und es wäre nichts organisiert gewesen, man habe nicht einmal gewusst, was der jeweils andere mit den übergebenen Drogen anstellen würde. Dass der Hauptangeklagte einem Bekannten 2.000 Euro für eine Cannabis-Plantage vorgestreckt habe, sei ein reiner Freundschaftsdienst gewesen und man habe dadurch keine Lieferungen erwartet. Als “La Familia” Ende Februar zerschlagen wurde, konnten dort 281 Pflanzen sichergestellt werden.

Anklägerin sieht kriminelle Vereinigung

Anklägerin Anja Oberkofler sah nach dem Beweisverfahren die Anklage, auch im Punkt der kriminellen Vereinigung, als erwiesen an. Der Vater von “La Familia” sei nicht der gute Samariter, als der er sich nun dargestellt habe, der seine Kinder nur mit Suchtgift versorgt habe, damit sie nicht an einen bösen Drogenhändler geraten. “Er hat sich sehr wohl überlegt, was er und wie er es macht.” Es sei klar, dass die Kinder auf Kommission bei ihrem Vater eingekauft hätten. Dies hätten auch die Telefon-Protokolle ergeben.

Alle Beschuldigten brauchen Drogentherapie

Die zweite Frau des 43-Jährigen und Stiefmutter der Zwillingssöhne und der Tochter hätte als einzige echte Reue gezeigt, während sich die Jungen bei den Geständnissen schwer getan und den Ernst der Lage offenbar noch immer nicht erkannt hätten, meinte Oberkofler. Diese Darstellung wurde von allen Verteidigern vehement zurückgewiesen. Ihre Mandanten hätten vielmehr aktiv zur Wahrheitsfindung beigetragen. Die Familie und die Freundschaften hätten schon vorher bestanden, weshalb keine kriminelle Vereinigung gebildet worden wäre. Alle Beschuldigten haben entweder eine Drogentherapie begonnen oder vor, damit nach der Entlassung zu beginnen.

(APA)

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